Wir sind jetzt vier

Vor gut zwei Wochen war es soweit: Unser viertes Familienmitglied hat das Licht der Welt erblickt. Wir freuen uns über eine gesunde und muntere Tochter. Das Verhältnis von Mädels und Burschen ist also jetzt ausgeglichen bei uns und das große Geheimnis, ob denn nun ein Sohn oder eine Tochter kommt, ist gelüftet. Wir Eltern wussten ja was es wird, aber wir haben es wie beim Sohnemann nicht verraten. Es gibt wirklich Familienmitglieder, die kommen mit dieser Heimlichtuerei gar nicht gut zurecht… hehe. Aber es gibt Entwarnung: Alle haben das Warten auf die Antwort überlebt! Glücklicherweise (hauptsächlich für mich selbst) hat es die kleine Schwester mit dem errechneten Geburtstermin etwas ernster genommen und hat sich schon einen Tag danach zu uns gesellt. Wie auch die Schwangerschaft war die Geburt und der gemeinsame Start ganz anders als beim ersten Kind.

Wehen müssen nicht soo regelmäßig sein

Angefangen hat es mit den Wehen ziemlich ähnlich wie beim ersten Mal. Es zwickt mal dort und da, irgendwie wird’s mehr und dann auch regelmäßiger. Aber es ist nie so wirklich regelmäßig geworden. Beim Sohnemann hab ich mit dem Handy mitgestoppt und die Länge bzw. Abstände der Wehen waren wie im Lehrbuch. Und dieses Mal war ich dann echt verwirrt – es wurde immer unangenehmer, aber die Abstände dazwischen waren immer verschieden. Wenn es dann nicht echt schon schmerzhaft geworden wäre, dann hätte ich wahrscheinlich noch nichtmal eingewilligt ins Krankenhaus zu fahren.

Der Mann hat also den großen Bruder noch ins Bett gebracht und dann sind wir losgedüst. Im Krankenhaus angekommen wurden die Schmerzen wieder weniger, was ich einerseits gut fand und mich andererseits aber an die Geburt vom Sohnemann denken hat lassen, wo die Wehen im Krankenhaus immer weniger geworden sind, statt mehr. Der Muttermund war jedoch schon bei vier Zentimeter und ich war erleichtert das zu hören. Es ging also gleich in den Kreissaal weiter und zweieinhalb Stunden nach Abfahrt von zuhause war das Kind da.

Würde ich die Geburt in einem Satz beschreiben müssen, würde ich sagen: Nicht gerade schmerzlos, aber kurz und unkompliziert. Es ist schon etwas ganz anderes, als ob man stundenlang in den Wehen liegt (bzw. erstmal auf sie wartet) und dann hundert Mal gesagt bekommt: „Gleich ist es soweit!“ und es ist noch gefühlt ewig nicht vorbei. Diesmal hab ich gespürt, dass es viel schneller geht und ich habe versucht meinen Mann darauf vorzubereiten. Das Gespräch ist eher unglücklich verlaufen… während Geburten bin ich wirklich nicht zum Reden aufgelegt. Es lief ungefähr so:

Ich: Jetzt kommen die Presswehen. Das heißt wir sind im Endspurt.
Er: Im was?
Ich: Im Endspurt!
Er: Was heißt „im Endspurt“?
Ich: Dass es bald vorbei ist.
Er: Ist „Endspurt“ ein deutscher Ausdruck?
Ich: IST DOCH SCHEISSEGAL, OB DAS EIN DEUTSCHER AUSDRUCK IST!!!
*Ende der Unterhaltung – nächste Wehe*

Ein paar Presswehen mussten veratmet werden, nach den nächsten dreien war das Kind draußen. So hatte ich mir das vorgestellt. Mein Mann konnte sich das nicht vorstellen. Die Hebamme hat ihn angesehen und gefragt, ob alles in Ordnung sei und er nur so: „Das war’s schon?“. Das war echt lieb…

Kürzer ist in dem Fall einfach besser

Das man, trotz aller Anstrengungen die man auch bei einer kurzen Geburt hat, sich natürlich auch viel schneller erholt, war eine neue Erkenntnis für mich. Es ist nicht exakt so, dass ich Gedächtnislücken habe von der ersten Geburt, aber im Rückblick kommt es mir vor, als wäre ich benommen gewesen. Wahrscheinlich war ich es durch die langandauernde Anstrengung auch wirklich, aber ohne einen Vergleich zu haben war mir das nicht so bewusst. Auch das Kind war viel fitter. Es ist noch nicht lange bei mir gelegen, da hat es schon angefangen intuitiv nach der Brust zu suchen. Der arme Sohnemann musste sich erstmal noch den Blicken der Ärzte unterziehen und war so fertig, dass wir uns erstmal nur erholt haben.

Ich habe die erste Geburt zwar immer als lange, aber nie als besonders schwer empfunden. Schlussendlich ist ja alles gut gegangen. Aber die zweite Geburt hat mir gezeigt, wie als auch sein kann. Wie es noch besser laufen kann. Wahrscheinlich war es sogar gut, dass ich am Tag nach der Entbindung etwas mit dem Kreislauf zu kämpfen hatte. Sonst hätte ich mich in ausufernder Euphorie über unser Wohlergehen vielleicht sogar übernommen. So musste ich doch im Bett bleiben.

Schöner Wohnen im Krankenhaus

Meinen zweiten Krankenhausaufenthalt konnte ich sehr genießen. Alle waren superlieb und ich hatte auch echt Glück mit den Zimmerkolleginnen. Während ich beim ersten Kind ziemlich überfordert war mit dem ganzen Abläufen im Krankenhaus (ich war vorher noch nie dort), sah ich dem Ganzen nun schon wohlwissend entspannt entgegen. Und man profitiert auch von der Erfahrung, die man durch das erste Kind hat. Man nimmt das Kind schon ganz anders in die Hand, man kann die körperlichen Anzeichen viel besser interpretieren und beim Stillen weiß zumindest einer der beiden Beteiligten was genau er tun soll.

Und zugegeben: Ich find es super, wenn im Krankenhaus essen serviert wird. Nicht weil es so unglaublich hervorragend schmeckt, aber man muss sich um nichts selber kümmern. Fast wie im Urlaub, aber noch besser: Man braucht sich nichtmal das Nachthemd umziehen! Ich hoffe ihr versteht mein Scherzen. Mir ist natürlich klar, dass man in den meisten Fällen weniger fröhlich ist, wenn man im Krankenhaus liegt, aber auf der Geburtenstation, würde ich behaupten, überwiegt die Heiterkeit tatsachenbedingt.

Neuer Familienalltag

Die erste gemeinsame Zeit als vierköpfige Familie haben wir gut verbracht. Der Mann muss leider schon wieder arbeiten, aber wir sind in der Obhut der Oma, die noch Urlaub hat, gut aufgehoben. Ich habe beschlossen es langsam angehen zu lassen und ihre angebotene Hilfe anzunehmen, auch wenn ich vielleicht nicht immer das Gefühl habe sie unbedingt zu brauchen. Aber ich denke mir, dass sich irgendwer schon was dabei gedacht hat, dass das Wochenbett ungefähr acht Wochen lang dauert und nicht nur eine…

Unser Familienalltag muss sich natürlich anpassen und neu ordnen, aber ich hatte mir die erste Zeit wirklich anstrengender vorgestellt. Der Sohnemann nimmt noch nicht allzu viel Anteil am Dasein seiner kleinen Schwester – weder positiv, noch negativ. Und die kleine Schwester ist bis jetzt auch sehr pflegeleicht. Ich darf mich des nächtens auch oft über bis zu sechs Stunden durchgehenden Schlaf freuen – das ist Mütter-Luxus! Ich freue mich über das neue Abenteuer zu viert.

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One comment

  1. super geschrieben! Ich komme ein bissi wie ein Trottel vor aber ist wurscht 😀

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