Aufbewahrte Erinnerungen: Das Postkartenbuch

Ich bin eine begeisterte Bewahrerin von Erinnerungen. Ich mag es wenn die Fotos gut sortiert sind, und im allerbesten Fall auch noch in einem Album oder Fotobuch. Ich mag es, ab und zu mal durch alte Tagebücher zu stöbern oder Briefe und Karten zu lesen. Und ich mag es auch, gelegentlich ein Souvenir in die Hand zu nehmen und an diesen besonderen Zeitpunkt zu denken, an dem ich es „gesammelt“ habe. Bei all dieser Liebe versuche ich aber nicht zu viel „Vergangenheit“ anzuhäufen. Solche Sammeleien machen mitunter ja auch Arbeit (wenn man Ordnung will) und können ebenso Ballast sein (was macht man denn mit vielen Souvenirs?).

Beim Erinnerungen sammeln für mein Kind bzw. bald schon meine Kinder finde ich es manchmal schwer zu entscheiden, was ich für die Vergangenheit konservieren soll. Aus meiner eigenen Kindheit gibt es relativ viele Fotos, aber natürlich weit nicht so viele wie jetzt im digitalen Zeitalter. Wahrscheinlich haben wir in der ersten Lebenswoche unseres Sohnes schon genauso viele Fotos gemacht, wie in meinem ganzen ersten Lebensjahr. Bei diesen Fotos stört es mich nicht, dass die Aufzeichnung lückenhaft ist und ich finde es auch nicht besonders traurig, dass meine Eltern nicht jeden Pups, den ich als Säugling gemacht habe, akribisch genau in einem Tagebuch festgehalten haben. Deswegen erlaube ich mir bei der eigenen Nachkommenschaft auch den Mut zur Lücke. Read more

Gemeinsame Erinnerungen

Unser alter Fernseher in der Küche

Früher durften mein Bruder und ich während dem Abendessen bis zum Bettgehen immer Fernsehen. Das war zu einer Zeit als wir uns beim Fernsehprogramm noch sehr einig waren: Wir wollten auf Kanal 8 schauen, denn da war bei uns SuperRTL programmiert. Als Kinder fanden wir Fernsehen klasse. Wie ich später auch Familien kennengelernt habe, die nichtmal einen Fernseher zuhause hatten, habe ich hinterfragt, ob wir bessere Tischgespräche haben hätten können, würde „die Glotze“ nicht immer laufen.

Heute sind mein Bruder und ich auf der Couch gesessen, zwischen uns ist das Baby gelegen. Über den Teletubbie-Strampler den der Kleine anhat, kommen wir auf Kinderserien zu sprechen. Teletubbies waren schon nicht mehr unsere Generation, und dann schon gar nicht mehr unsere Altersklasse. So einer Meinung, wie wir damals schon über die Fernsehsenderwahl waren, sind wir uns auch heute noch über die „g’scheiten“ Kinderserien: „Käpt’n Balu“, „Chip und Chap“, „Goofy und Max“ und allen voran die „Gummibärenbande“. Wir schwelgen in Erinnerungen, versuchen die Titelmelodien zu singen und hören uns dann das Gummibärenlied in zwölf verschiedenen Sprachen auf YouTube an.

Das Baby zeigt sich ob der Singeinlagen belustigt, meine Mutter lacht, als wir ihm verkünden: „Die super Sendungen werden wir dir alle mal zeigen, wenn du groß genug dafür bist!“. „Glaubt ihr wirklich, die alten Sendungen interessieren mich noch, wenn ich groß bin?“, mimt sie die etwaige Antwort des Kleinen. Wir sind uns unserer Sache sicher – aber irgendwo weiß ich doch, es ist eben ein Ding zwischen meinem Bruder und mir, das die Sendungen so schön macht. Es ist eine wohlige Erinnerung an unsere Kindheit, die wir manchmal aufleben lassen indem wir uns einige Folgen „Käpt’n Balu“ reinziehen oder die zeitenüberdauernde Coolheit von „Knight Rider“ besprechen (haben wir uns in den Sommerferien immer mit Begeisterung angesehen). Es ist ein Spaß den ich nur mit meinem Bruder teilen kann. Über den auch mein Mann milde lächelt, weil er in der (Post-)Sowietunion mit anderen Fernsehserien groß geworden ist.

Früher hab ich mir gedacht, wir fernsehen vielleicht zuviel. Und ja, vielleicht sind manche Gespräche am Tisch auch komplett an mir vorbei gegangen, weil ich ganz und gar vom Fernseher mitgenommen war. Heute denk ich mir: Wenn es uns jetzt noch immer so viel Freude bereitet, wird es so schlecht auch nicht gewesen sein!