Sprachgedanken

Labadiena.

Zugegebenermaßen hat es mein Litauisch noch auf kein Level gebracht, bei dem ich mich trauen würde zu behaupten ich spreche diese Sprache. Das liegt klar an meiner mangelnden Selbstmotivation was das Lernen betrifft. Gern würd ich mein Litauisch zumindest auf das Niveau bringen auf dem mein Italienisch mal war – so dass man ohne Totalausfälle durch eine mittelschwere Unterhaltung kommt.

Ich könnte jetzt einen schönen Absatz voll jammern, wie viel schwerer Litauisch als Englisch oder Italienisch (oder Spanisch) ist, aber schlussendlich liegt es ja nur an einem, dass keine Fortschritte entstehen: an mir. Aber was hindert mich? Ich weiß es nicht. Theoretisch könnte es ganz einfach sein, aber praktisch schlagen meine Pläne immer fehl. Ich denke vielen Leute geht es so, wenn sie abnehmen wollen, haha. Mein Jo-Jo-Effekt ist hauptsächlich zwischen “Grad gelernt” und “Schon wieder vergessen”.

Ich habe allerdings festgestellt, dass ich zumindest passive Fortschritte mache, seitdem ich meinen Mann regelmäßig mit unserem Sohn sprechen höre. Manche Redewendung hab ich offensichtlich schon aufgeschnappt. Die kommen dann spontan zum Vorschein, wenn ich versuche mich das Schwiegermama verständlich zu machen. Außerdem hab ich festgestellt, dass ich in vielen Fällen besser übersetzen kann als Google Translate. Aber bei den Übersetzungen, die da rauskommen ist das eigentlich auch nichts worauf ich besonders Stolz sein könnte.

Ich freue mich wirklich darüber, Litauisch jetzt in meinem Alltag zu haben. Neben dem Benefit, dass ich was dabei lerne und dass unser Sohn nicht nur eine Muttersprache, sondern auch eine Vatersprache hat, gibt es ja noch die einfache Tatsache: Ich mag Fremdsprachen.

Ich muss öfter mal zurückdenken, wie ich beim Aufnahmeworkshop zu meinem Studium gesessen bin und der Dekan hat seine Ansprache dreisprachig gehalten. Ich war geflasht, weil ich sowas noch nie erlebt hatte, dass jemand von einen Satz auf den anderen die Sprache wechselt. Höchst besorgt war ich, weil ich mir ständig gedacht habe, er sagt jetzt bestimmt was wichtiges auf Italienisch und ich versteh’s nicht (Italienisch hab ich ja erst an der Uni gelernt). Während dem Studium ist das dann ganz normal geworden und später war es auch zwischen meinem Mann und mir ganz normal mitten im Satz von Deutsch auf Englisch zu switchen und dabei noch ein paar italienische oder litauische Vokabeln einzubauen. Da haben dann unsere Zuhörer oft verwirrt geschaut.

Mittlerweile sprechen wir hauptsächlich Deutsch miteinander (bzw. Österreichisch, wenn man’s genau nimmt). Den Fremdsprachenmix vermisse ich schon ein wenig. Deswegen hat mich heute unser südafrikanisch-stämmiger Besuch besonders erfreut: Deutsch, Englisch, Litauisch und Afrikaans an unserem Küchentisch zu hören inspiriert meine eingeschlummerte Freude für Fremdsprachen und spornt mich an, mich wieder mehr mit ihnen zu beschäftigen. Afrikaans ist ja im übrigen auch eine Sprache, die ich sehr cool finde und die ich unbedingt mal lernen will… halt gleich nachdem ich mit Litauisch “fertig” bin.

Kommentare