Schlaf gut, am besten die ganze Nacht…

Protokoll und Handy
Eine Sache die ich mir gar nicht recht vorstellen kann, sind Babys die von selbst einschlafen. Also ins Bettchen gelegt, ein Gute-Nacht-Bussi, dann noch „Schlaf gut“ gesagt und das Licht abgedreht und das Kind schläft. Die Vorstellung kommt mir vor wie aus einem kitschigen Film. Aber anscheinend gibt’s das wirklich. Und angeblich kann man das den Kindern auch beibringen.

Auch wenn das selbsteinschlafende Baby jetzt nicht meine Priorität ist (wahrscheinlich eben weil ich’s mir gar nicht vorstellen kann), so sind wir trotzdem gerade auf einer Mission die Schlafgewohnheiten zu ändern. Mein Hintergedanke ist, dass wenn unser Wutzi selber einschlafen lernt, dann kann ich ihm auch klarmachen, dass man nicht jede neue Schlafphase mit meinem Busen im Mund beginnen muss. Das will er momentan noch gar nicht wahrhaben und weckt mich daher alle 2-3 Stunden.

Da er direkt neben mir schläft ist das grundsätzlich gar nicht soo ein Problem. Aber schön langsam merke ich auch, dass mehrere ununterbrochene Schlafstunden schon etwas für sich haben. Daher möchte ich die Lage verbessern bevor es zu einem Problem wird. Immerhin kann ich ja tagsüber auch besser auf den Wutzi eingehen wenn ich nicht noch innerlich schlafe.

Jetzt haben wir einiges gelesen – von Pro-Ferber bis Anti-Ferber quasi. Und dann auch ein bisschen ausprobiert. Ihn ins Bett gelegt, daneben gesessen. Die Folge: Protest – Schreien nach dem Busen. Und ja, das kann er gut. Zu gut fast. Da wird man dann als Eltern auch schnell frustriert über etwas, dass einem eigentlich (noch) gar nicht derart wichtig ist. Wie bereits gesagt, will ich das Problem ja nur zu lösen versuchen bevor es eins wird.

Letztens haben wir dann einen Termin bei der Schlafberatung vereinbart. Ich hab mir gedacht, dass sie uns auch nicht so viel  anderes erzählen kann, als das was wir eh schon gelesen haben. Aber manchmal ist die Wirkung besser, wenn es einem jemand ins Gesicht sagt, als wenn man es liest. Und man kann natürlich Fragen stellen, wie „Überall steht, wenn das Baby weint, soll man es beruhigen, indem man es streichelt und ihm gut zuspricht. Was wenn mein Baby mit seinen Armen so herumfuchtelt, dass ich es kaum länger als 2 Sekunden berühren kann und es meine liebevollen Beruhigungsversuche nicht hört, weil es so brüllt?“. Diese Fragen beantwortet kein Ratgeber. Auch jetzt habe ich keine gute Antwort drauf, aber wir haben in der Beratung noch Tipps bekommen, wo in unserem Tun Verbesserungspotenzial vorhanden ist. Nach einem zusätzlichen Gespräch mit einer Freundin, die eine Kleinkinderbetreuung leitet, habe ich mir eine neue Strategie überlegt.

Wir haben jetzt einen Ablauf eingeführt, bei dem Wutzi nicht mehr im Bett gestillt wird, damit für ihn klarer wird, dass das eine nicht das andere bedingt. Außerdem machen wir’s jetzt jeden Abend gleich(er).Und statt x-beliebig oft und irgendwann zu schlafen und dann bis nach Mitternacht munter zu sein, herrscht jetzt ein geregelter Ablauf, der es dem Wutzi erleichtern soll, sich besser mit den Gegebenheiten zu synchronisieren, um dann zur richtigen Zeit müde zu sein. Das ist der schwierigste Teil für mich. Die Beraterin hat empfohlen vor allem jetzt am Anfang auf 15 Minuten genau zu sein. Da bei mir die Durchführung von Plänen eher auf Halbtage genau ist, als auf Minuten, hab ich mir auf dem 24-Stunden-Protokoll, das ich eh schon länger zur Überprüfung etwaiger Fortschritte führe, alles farbig eingezeichnet und auf dem Handy ungefähr tausend Wecker gestellt. Ich muss mich wirklich zusammenreißen, aber im Endeffekt hab ich ja selber auch mehr planbare Zeit für meine Zwecke.

Zum Einschlafen liegt Wutzi jetzt im großen Bett und ich lieg neben ihm. Das hab ich vorher nie gemacht, weil ich mir immer gedacht habe, dass ich da ja die eine blöde Gewohnheit mit der anderen tausche. Hab ihn daher auch immer ins Beistellbett gelegt und mich daneben gesetzt. Alles was es gebracht hat war Mordsgeschrei. Aber danebenliegen macht einen riesen Unterschied. Und schön langsam, aber sicher rutscht er bei jedem Mal schlafen mehr in Richtung Beistellbett. Ich denke, wenn das abgeschlossen ist, kann ich probieren daneben zu sitzen.

Wir schalten jetzt auch jedes Mal eine Entspannungsmusik ein. Bei Entspannungsmusik muss ich immer an Loungemusik denken, die ich ja gar nicht ausstehen kann (zumindest wenn sie im Radio läuft) – deswegen war der Gedanke anfangs auch befremdlich so etwas zum Einschlafen zu hören. Mich macht die Loungemusik ja eher aggressiv. Weil’s aber nichts kostet und kein Aufwand ist dudelt jetzt babygerechte Entspannungsmusik von YouTube leise im Hintergrund. Wenn wir Glück haben konditionieren wir ihn so darauf, dass er gleich einschläft, wenn er die Musik hört. Wobei der Gedanke auch noch befremdlich ist, weil er mich immer an den Versuch mit dem Hund und dem Glöckchen erinnert. Aber besser auf Musik konditioniert als auf Körperteile, denk ich mir.

Bis jetzt waren die Ergebnisse der Maßnahmen sehr zufriedenstellend. Ich sehe, dass Müdigkeit und Entspannung jetzt zum richtigen Zeitpunkt zusammenkommen und habe auch schon das Erlebnis genießen können, dass der Sohnemann dann einfach die Äuglein schließt und schläft. Ohne Protest. Ein Traum, selbst für die wachgebliebenen Eltern. Natürlich ist nicht jeder Tag und jedes Einschlafen gleich, aber ich denke die ersten Schritte in die richtige Richtung sind gesetzt.


PS: Das 24-Stunden-Protokoll ist übrigens eine Druckvorlage des Kinderspitals Zürich. Hab die verwendet, weil ich Remo Largos Buch „Babyjahre“ gelesen habe und in seinem Buch sieht das genauso aus. Findet man als PDF hier zum Download.

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