Mit dem Wohnwagen in Deutschland (Teil 1: Vorbereitungen)

Jedes Mal wenn ich versuche ein Fotobuch zu bestellen gibt es Probleme. Gerade funktioniert wiedermal der Upload nicht. Typisch! Ich hab immer so ein „Glück“… because of why?!? Aber die Tatsache, dass ich versuche ein Fotobuch zu bestellen kann nur zweierlei bedeuten: Erstens, dass wir auf Urlaub waren und zweitens, dass ich den Fotos zeitnah Herr Frau geworden bin. Besonders zu Zweitem ist mir zu gratulieren (ich denke da gerade an gewisse Neujahrsvorsätze, die ich exakt einen Monat durchgehalten habe). Viele fragen uns, wie sie war, unsere lange geplante Reise mit unseren zwei kleinen Kindern im Wohnwagen und es fällt mir schwer eine ganz konkrete Antwort zu geben. Ja, natürlich war es schön! Aber die Reise hatte ebenso ihre Tiefpunkte. Ich kann viel aus vielen Blickwinkeln berichten und fange in diesem Post einfach mal mit dem naheliegendsten an: den Vorbereitungen.

Entscheidungen

Den Plan nach Deutschland bzw. an die Ostsee zu fahren, gab es ja schon lange (in meinem Kopf). Nachdem wir uns im März entschieden hatten, dass es der Norden werden soll hab ich erstmal Reiseführer und Karten gewälzt, um ein Gefühl zu bekommen, wo wir denn eigentlich hinwollen. Denn ich hab’s sicher schonmal erwähnt: Deutschland ist so riesig! Schlussendlich haben mich Usedom und Rügen am meisten angesprochen für unseren ersten deutschen Ostseebesuch.

Ich habe keinen genauen Plan gemacht, was wir wie wo wann auf den Inseln anschauen, aber die Campingplätze dort hab ich gleich gebucht. Was auch gut war, denn obwohl ja quasi noch Vorsaison war, hätten wir auf unserem Campingplatz auf Usedom wohl keinen Stellplatz mehr bekommen.

Sehr schwierig war für mich die Anreise zu planen, weil ich keine Vorstellung hatte, wie die Kinder mit der langen Autofahrt klarkommen. Wir hatten bis zu diesem Zeitpunkt keine ernsthaften negativen Erfahrungen gemacht, aber auch keine Erfahrungswerte für eine Strecke dieser Dimension. Ehrlich gesagt hatte ich nichtmal selber eine Vorstellung, wie lang ich maximal im Auto sitzen kann. Also musste ich spekulieren und einen Plan machen, damit wir am richtigen Tag auf unseren im Voraus gebuchten Campingplatz ankommen. Ich habe also die rund 1.000 Kilometer Fahrt in drei Etappen eingeteilt:

  1. Zuhause bis Weimar
    Weimar liegt etwa auf halben Weg und wenn ich schon mal dort bin, wollte ich auch gleich das Bauhaus-Museum ansehen (Hat übrigens grad wegen Umbau geschlossen… hm, ja…). Deswegen und weil ich mir nicht sicher war, ob wir nicht doch einen Tag Erholung brauchen, sind wir zwei Nächte geblieben.
  2. Weimar bis Zühlsdorf
    alias: nördlich von Berlin. Auf dieses Kaff bin ich gekommen, weil ich mir das Stasi-Geisterschloss Dammsmühle anschauen wollte, was ebenso wenig passiert ist, wie mein Besuch im Bauhaus-Museum. Dieser Teil war ca. ein Viertel der Gesamtstrecke, aber leider standen wir auf der Ausweichstrecke zum Stau eine ganze Weile im Stau, wir sind erst spät angekommen und die Kinder waren schon dezent gaga.
  3. Zühlsdorf bis Trassenheide auf Usedom
    Streckenmäßig der kürzeste Abschnitt aber unerwarteterweise der anstrengendste. Mattias hat periodisch angefangen zu heulen, weil wir ihm sagen mussten, dass wir nicht zur Raststation mit der Spieleecke im McDonald’s umkehren können. Emma hat aus Gründen geheult, die sie uns nicht wörtlich mitteilen konnte. Es gab Stau vor der Zugbrücke und zu diesem Zeitpunkt hat Lied Nummer 1 der Kakė Makė-CD zum ersten Mal richtig zu nerven begonnen (was uns nicht davon abhielt es im weiteren Verlauf der Reise noch eine Trillion Mal anzuhören).

Wir verbrachten dann je sieben Nächte auf Usedom und Rügen und für die Heimfahrt hab ich mir auch zwei Zwischenstopps rausgesucht, die wir dann aber nicht gemacht haben. Die Rückreise haben wir in einem Rutsch erledigt, motiviert durch unser nasses, in Plastiksäcken gammelndes Vorzelt, brave Kinder und dem „Jetzt reicht’s wieder mit Urlaub“-Gefühl. Wir sind um halb zwei in der Früh zuhause angekommen und haben noch eine geschlagene Woche gebraucht um wieder in unseren üblichen Rhythmus zu kommen. Jetlag ohne Zeitverschiebung, sozusagen.

Camping mitten im Wald

Ausstattung

Zurück zur Planung: Neben der Reiseroute war ja auch die Ausstattung abzuklären. Am Wohnwagen selbst musste nach dem Sturmschaden noch eine kleine Reparatur an der Kederleiste vorgenommen werden und eine große an unserem zerschmetterten Seitenfenster. Innen habe ich noch einige Upgrades durchgeführt (die einen eigenen Post füllen könnten) und dann haben wir unsere Ausstattung noch nachgerüstet mit neuen Campingsesseln und -tisch. Da es sich anbietet Norddeutschland mit dem Fahrrad zu erkunden und wir das auch wollten, mussten auch noch Fahrradträger und Fahrradanhänger besorgt werden. Und wer mein Kaufverhalten beobachten würde, käme ziemlich schnell zu dem Fazit: „Sie kann nicht einfach in ein Geschäft gehen und was kaufen“. Ich lese tausend Bewertungen, wäge Preis, Leistung und voraussichtliches Nutzungsverhalten ab und kaufe auch gerne gebraucht. Spart Geld, aber kostet Zeit.

Neue Ausstattung im Einsatz

Verpackungstetris

Ich finde eine wesentliche Überlegung zur Ausstattung ist übrigens auch immer „Wo packe ich es (sinnvollerweise) ein?“. Deswegen habe ich mich zB für einen Campingtisch entschieden, bei dem die Tischplatte „gerollt/gefaltet“ wird. Einer mit durchgehender Tischplatte wäre sicher stabiler (wesentlich bei Kindern), aber ich hätte nicht gewusst, wo ich ihn unterbringen kann. Gerade wenn man nicht direkt bis zu seiner Enddestination durchfährt und Zwischenstops macht, soll einem der Krempel ja auch nicht im Weg sein. Wenn du auf so engem Raum nicht im Chaos versinken willst, ist gut, wenn alles seinen Platz hat und die Dinge des täglichen Gebrauchs leicht zu erreichen sind. (Ist natürlich ohne Kinder alles easier, weil du ca. 90% weniger Zeug brauchst.)

Wir haben das Vorzelt aus Gewichtsgründen im Auto transportiert, da unser Wohnwagen nur eine ziemlich geringe Zuladung hat. Nebst diesem haben wir den Fahrradanhänger im Kofferraum gehabt und die Räder am Dach, damit wir Radtouren nicht immer direkt vom Wohnwagen starten müssen. Ebenfalls am Dach hatten wir eine Dachbox in der wir Tisch und Sessel verstaut hatten, damit sie uns im Wohnwagen nicht in der Quere sind. Im Nachhinein gesehen hätten wir darauf verzichten können, weil wir in den Stauräumen unter den Sitzbänken kaum Dinge eingelagert hatten und insofern auch Dinge aus dem Gaskasten dorthin wandern lassen hätten können. Aber da ein Kombi mit Wohnwagen hinten dran und Rädern auf dem Dach sowieso jeder Aerodynamik widerspricht, hätten wir wahrscheinlich nicht viel gewonnen, wenn wir sie zuhause gelassen hätten.

Bekleidung

Kurz vor Abreise kamen dann die üblichen Vor-Urlaubs-Überlegungen zur Bekleidung. Da Wettermäßig mit allem zu rechnen war, habe ich von superheiß bis kalt und trocken bis sehr nass eingepackt. Bei unseren wenigen Campingerfahrungen jüngerer Zeit habe ich mir bereits zwei Dinge hinter die Ohren geschrieben:

  1. Den Vorrat an warmer Kleidung nicht zu knapp wählen
    Ich verbringe ja sonst nie so viel Zeit im Freien und unterschätze gerne wie kalt es bei Schlechtwetter, spätabends oder in höher gelegenen Regionen ist. Warme Socken inklusive, da der Wohnwagenboden sehr kalt ist.
  2. Die richtigen Schuhe für den Campingplatz mitnehmen
    Etwas schmutzunempfindliches in das man schnell reinschlüpfen kann bzw. auch wieder raus. Auch wasserunempfindlich und schnelltrocknend sollten sie sein, wenn’s zB getaut hat. Viele tragen Crocs am Campingplatz, aber da ich persönlich nicht so auf den Style stehe, hab ich mir Vollgummi-Badeschlapfen zugelegt (Nimm keine Flipflops… außer du hast immer warme Füße oder du nimmst nur Zehensocken mit…). Für wirkliches Regenwetter haben wir Gummistiefletten in der Schuhkiste, die vom Stil her passend sind, sie im Falle auch bei einer Stadtbesichtigung tragen zu können.

Ich hab so eingepackt, dass wir mindestens fünf Tage ohne Waschen auskommen. Ich wollte leicht verschmutztes regelmäßig mit der Hand auswaschen, damit wir die teuren Waschmaschinen nicht so oft in Anspruch nehmen müssen, aber dazu hatte ich dann eigentlich gar keine Zeit (und spätabends auch keine Lust mehr). Weil sich nicht so gute Gelegenheiten ergeben haben längere Wäscheleinenstrecken zu spannen haben wir uns meistens auch die Anspruchnahme des Trockners geleistet.

Essen und Trinken

Zum Essen habe ich eine Basisverpflegung eingepackt. Gewürze, Essig, Öl in kleinen Behältern und halt sowas wie ne Packung Nudeln, Fertigsugo,… nebst Babybrei für mehrere Tage. Da Lebensmittel in Deutschland eine Spur billiger sind als in Österreich und wir sowieso für frisches Brot einkaufen mussten hab ich gar nicht allzu viel eingepackt (und trotzdem manches wieder nach Hause gebracht…herrje!). Da unser Kühlschrank während der Fahrt auch nicht kühlt, war es auch einfacher leichtverderbliches vor Ort zu kaufen.

Ausblick aus Reihe zwei.

Informationen und Unterhaltung unterwegs

Seitdem die Roamingkosten in Europa gefallen sind, ist es um einiges einfacher geworden im Ausland über das Internet zu Infos und Entertainment zu kommen. Trotzdem finde ich eine Offline-Ausstattung beruhigend und sinnvoll. Wir haben recht problemlos mit Google Maps navigiert und hatten zur Sicherheit die App maps.me installiert, bei der man sich Karten im Vorhinein direkt aufs Handy laden kann. Auch eine papierene Straßenkarte hab ich immer gerne zur Hand, weil man damit einfach einen besseren Überblick zu Richtungen und Distanzen bekommt als auf einer digitalen Karte.

Sinnvoll wäre auch gewesen, sich vorher über das Tanken Gedanken zu machen. Das haben wir irgendwie verabsäumt, besonders im Bezug auf den exorbitanten Spritverbrauch den wir hatten und die viel höheren Dieselpreise in Deutschland. Da du auf der Autobahn fast einer illegalen Organspende zustimmen musst für einmal volltanken hat der ADAC eine nützliche Liste bzw. Karte mit autobahnnahen Tankstellen zusammengestellt, die sich als sehr nützlich erwiesen hat. Eine gute Überlegung ist auch, dass im Norden die Landschaft immer mehr wird und die Zivilisation dafür karger. Daher sind die Tankmöglichkeiten auch weiter auseinander als im Süden!

Weite Landschaft, viele Windräder.

Zur Erhaltung der guten Laune während des Fahrens auf so langen Strecken empfehle ich auch eine extensive Musiksammlung für die Ansprüche aller beteiligten Altersklassen und ein Tablett oder sonstiges Abspielgerät für Kinderserien oder Filme. Letzteres benutze ich immer sehr dosiert, wenn kein anderes Entertainment mehr greift (Musik, Spielzeuge, Essen,…). Dadurch, dass wir den halben Urlaub kein Ladekabel hatten, weil wir dieses schon auf der ersten Etappe geschrottet hatten, fiel das auch nicht weiter schwer. Für die kritischen Zwischendurchmomente würde ich es zugegebenermaßen aber auch nicht mehr missen wollen.

Gute Vorbereitung ist der halbe Urlaub!?

Zeitlich gesehen, auf alle Fälle. Für diesen Urlaub war die Vorlaufzeit definitiv lang und zeitaufwendig. Natürlich hätte man sich’s auch einfacher machen können, aber das ist sicher eine Typfrage. Ich weiß, dass ich spontanen Familienstress eher vermeiden kann, wenn ich vorher gut vorbereite. Aber an alles kann man sowieso nicht denken. Mit jeder Ausfahrt sammelt man auch Erfahrungen und kann auf eine ausgefeiltere Checklist zurückgreifen. Dann vergisst man auch nicht mehr einen Buggy oder eine Trage mitzunehmen, wie bei unserer ersten Ausfahrt an den Attersee (Ohne Trage hätten wir jetzt bestimmt so lange Arme wie Inspektor Gadget, nur ohne Möglichkeit sie wieder einzufahren).

 

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