Fragmentierter Alltag

Kennt ihr das, wenn ihr die ganze Zeit was um die Ohren habt und wenn dann jemand fragt „Was tut sich bei dir so?“, dann fällt einem spontan gar nichts ein, das man erzählen könnte. So geht’s mir in letzter Zeit öfter. Gefühlt war in den letzten Wochen einiges los, aber wenig Spezifisches. Eine Erledigung da, ein Termin dort und schwupps ist schon wieder Wochenende und einmal Blinzeln ist auch das vorbei. Darum schaffen es so einige Ideen für Blogbeiträge gerade nicht das Licht der Welt zu erblicken.

Apropos Licht der Welt…

… der Alltag mit zwei Kindern ist ganz gut angelaufen. Die Umstellung von einem auf zwei Kinder ist viel weniger anstrengend als von keinem auf ein Kind. Auch wenn das zweite Kind wieder anders ist als das erste, und manche Probleme genau die selben sind, mit denen man sich schon vor zwei Jahren herumgeschlagen hat (undefinierbares Babygeschrei zum Beispiel), so hat man doch schon die Erfahrungen, die es irgendwie leichter machen. Vielleicht ist es auch einfach die mentale Einstellung, dass man sich denkt, zwei Kinder wären zweimal so viel Arbeit, und dann ist es doch nicht so schlimm. Zumindest bis jetzt nicht.

Die meisten Dinge laufen geschmeidig, aber dauern jetzt einfach noch länger. Man muss sich damit abfinden, dass man etwas nicht mehr anfängt und es im selben Zug beendet. Und auch wenn ich viele Einfälle habe, was ich tun sollte oder könnte, so nehme ich mir nie viel vor. Ich habe lieber wenig auf meiner täglichen To-Do-Liste und schaffe alles (selten sogar ein wenig mehr), als zwar alles erdenkliche draufstehen zu haben und am Ende des Tages sind vielleicht nur ein oder zwei Dinge abgehakt. Größeren Aufgaben seh‘ ich auch ganz relaxt. Muss ja nicht die ganze Küche auf einmal grundgereinigt werden. Oder ein Blogartikel an einem Abend geschrieben werden. In wie vielen Teilen ich es geschafft habe, sag‘ ich euch dann wenn ich fertig bin.

Mama muss geteilt werden und selber teilen

Der Sohnemann genießt die Aufmerksamkeit von Oma und Opa, die sich jetzt noch mehr um ihn annehmen als vorher. Könnte das arme Kind doch mal alleine spielen müssen… nein, Spaß beiseite – schön für ihn, dass er Entertainer hat. Und bequem für mich. Sonst hätte ich sicher schon öfter gehört: „Ned schon wieder Stillen!!“. So ist er ja sehr liebevoll mit seiner Schwester, will ihr öfter ein Bussi geben und teilt sogar seine Spielsachen mit ihr… auch wenn ich zugegebenermaßen in dem Teilprozess involviert war.

Teilen muss ich auch. Insbesondere mein Handy wechselt nun häufiger ohne mein Zutun, und meist auch ohne mein Wissen, seinen Standort. „Drücken“ nennt sich die begehrte Aktivität, die der Sohnemann auf dem Sperrbildschirm durchführt. Er hat mir dort Funktionen gezeigt, von denen ich selbst bis dato noch nichts wusste. Neben Zahlenkolonnen im Notrufbildschrim und den obligatorischen Bilder- und Videoserien von Socken, Fußböden und Gesichtsteilen, ist der neueste Kniff, die Suche aufzurufen und dort drei Millionen Emojis einzugeben. Das bringt die Statistik in der „Oft benutzt“-Sektion ganz schön durcheinander. Seht euch mal am Screenshot unten an, welche Emojis ich angeblich oft benutze…

Verfeinertes Können

Die Fähigkeit, ein Smartphone zu entführen, ist glücklicherweise nicht die einzige, die sich weiterentwickelt hat. Er interessiert sich momentan sehr für Buchstaben. Mit zweieinhalb Jahren ist es ja auch schon höchste Zeit, dass man damit anfängt (dafür wartet man mit der Entwicklung motorischer Fähigkeiten wie Laufradfahren sicherheitshalber bis zum Führerscheinalter…). In unserem Gute-Nacht-Geschichtenbuch sind die Bilder gerade weniger interessant als die Überschriften, in denen er mir jedes „S“, „H“, „D“ und was er sonst noch kennt, einzeln vorführt.

Manchmal gelange ich an den Punkt wo ich mir denke: „Nicht schon wieder das selbe Spiel“… ich weiß gar nicht wie oft ich in den letzten Tagen und Wochen schon gesagt habe: „Stimmt, das ist ein S!“ Aber zur Abwechslung gibt es dann doch auch wiedermal eine Verfeinerung der Spielvariante. Heute zum Beispiel zeigt er auf ein „G“ und fragt mich: „Wos is’n des?“. Die Frage ist dabei natürlich genauso übertrieben intoniert, wie ich mit ihm spreche. Bis jetzt hat er nur immer gezeigt und „Des do!?“ gesagt, wenn er was wissen wollte. Ich freue mich, wenn ich bemerke, dass die hundertfache Wiederholung einer beliebigen Tätigkeit Früchte trägt. Diese kleinen Beobachtungen machen mein Mama-Dasein mitunter aus – aber das ist halt nicht unbedingt etwas, dass ich erzähle, wenn jemand fragt, was bei mir so los ist.

Wenn ihr mich also demnächst mal ansprecht und fragt, was bei mir geht, dann gebt mir einen Moment Zeit meine Tätigkeiten-Bruchstücke zu defragmentieren – oder einfacher: Fragt mich einfach, was sich bei den  Kindern tut. Die Frage kann ich mit Sicherheit ausführlich beantworten ;).

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