Ergobaby Performance vs. Original

Ergobaby Performance vs. Original Carrier
Vor einiger Zeit habe ich schon verkündet, dass wir eine neue Trage gekauft haben, da unser Burschi für die Marsupi irgendwie schon zu groß wurde. Nach einiger Suche hatte ich zwei Tragen in der engeren Auswahl, beide von Ergobaby. Da ich mich wirklich nicht entscheiden konnte, habe ich schlussendlich sowohl den Ergobaby Original Carrier (optisch schöner) als auch den Ergobaby Performance Carrier (praktisch vielversprechender) bestellt. Wenn nun wer über der selben Frage brütet, ich habe mir diese Modelle mal genauer angesehen.

Für die Fotos sind meine Männer Modell gestanden. Wenn du professionelle Fotos sehen willst, dann musst du aber auf die Produktwebsite gehen 😉 Die Bilder lassen sich per Klick vergrößern!

Die Wettstreiter

Unser Herausforderer in diesem Battle ist die Ergobaby Performance in der Farbvariante „Black Charcoal“. Kostenpunkt: 72,92€ (November 2015).

Der Gegner heißt Ergobaby Original und tritt in der Farbe „marine“ an. Kostenpunkt zur Zeit des Battles 89,98€ (Nov. 2015).

Bei den Tragepositionen habe ich die Hüftvariante vernachlässigt (obwohl beide die Möglichkeit bieten), da ich das persönlich nicht so praktisch finde. Man ist trotzdem einseitig so eingeschränkt. Mein Hauptaugenmerk lag definitiv beim Tragen auf dem Rücken, da ich denke, dass das für die Zukunft die gebräuchlichste Position sein wird, wenn Baby noch größer und schwerer wird.

Diese Babytragen kann man beide ab ungefähr 5,5kg bis 20kg benutzen. Für Neugeborene (ab 3,2kg) braucht man einen separat erhältlichen Einsatz („Infant insert“), den ich natürlich nicht getestet habe. Ich weiß auch nicht, ob mich dieser zum Kauf überzeugt hätte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Form

Beim ersten Blick sehen die Performance und die Original gar nicht so verschieden aus. Klar, sie kommen aus der selben Schmiede. Wenn man aber genauer hinsieht, kann man schon einige Unterschiede erkennen.

Die Form des Bauchgurts ist zum Beispiel etwas anders. Die Original ist etwas gerader geschnitten als die Performance. Beim Testen konnte ich aber keinen Unterschied spüren, der auf diese Form zurückzuführen wäre.

Ganz anders ist das bei den Trägern. Da sind die von der Original auch viel gerader geschnitten als die von der Performance. Für uns hat das den wesentlichen Unterschied ausgemacht, denn bei der Original hatten wir beide (also mein Mann und ich) das Gefühl die Träger rutschen uns von den Schultern. Durch die gerade Form liegt – vor allem bei der Rückentragevariante –der Träger nicht gleichmäßig auf unseren Schultern auf. Am dritten Foto kann man ganz gut erkennen, das man von außen ganz leicht einen Finger unter den Träger schieben könnte. Wenn man länger trägt ist das doch suboptimal, weil das Gewicht nicht richtig verteilt wird.

Das Baby sitzt denke ich in beiden gleich gut drinnen. Die Stegbreite ist mit 36cm bei beiden identisch. Für mich war es am Anfang fraglich, ob es für unseren Kleinen bequem ist, weil er die Arme unter den Schultergurten hat. Nachdem wir herausgefunden haben, wo wir die Ärmchen am besten rausstecken, scheint es aber gut zu passen. Ich trage fast ausschließlich am Rücken und er genießt es sichtlich. Es lohnt sich meiner Meinung, die Video-Anleitung zum Rückentragen anzusehen.

Material

Ein Grund warum ich mich anfangs gar nicht entscheiden konnte, war, weil ich die Original so viel schöner fand. Für mich war das blau total schön und der Stoff mit den Walen perfekt. Mein Mann fand das blau ausgewaschen und den Walstoff zu hell, vor allem für die Innenseite. Er meinte aber, dass die Performance definitiv besser dem Männergeschmack zusagt. Ich könnte mir in Sachen Design aber was Netteres vorstellen.

Die Materialien wirken bei beiden Babytragen gut und hochwertig. Das gilt für die Schnallen, Gurte, Reißverschlüsse und auch für die Stoffe.

Bei der Original gibt es nur den blauen Stoff außen und den Akzentstoff, der gleichzeitig auch der Futterstoff ist. Beide sind aus Baumwolle. Viel mehr kann man dazu gar nicht sagen.

Die Performance ist aus mehreren synthetischen Textilsorten hergestellt, die für mehr Belüftung bei Baby und Tragendem sorgen sollen. Diesen netzartigen, gepolsterten Stoff kennt man ja auch von der Rücken- und Trägerinnenseite von Schul- oder Wanderrucksäcken. Das ist auch das einzige Material das mir vom Tragekomfort her Sorgen machen würde. In einer Rezension habe ich gelesen, dass er unangenehm reiben kann, wenn man schwitzt und nur ein Trägershirt anhat. Jetzt im Winter kann ich das zwar nicht ganz realitätsnah testen, aber ja, ich kann es nachempfinden. Es fühlt sich nicht direkt kratzig an, aber in der Kombination von empfindlicher Haut, heißen Wetter und langem Tragen könnte es unangenehm werden. Da wird wohl nur helfen ein T-Shirt zu tragen. Die anderen Textilien sind allerdings angenehm anzugreifen und weich.

Ausstattung

Beide Tragen haben ein Sonnenverdeck/Kopfstütze (wie nennt man das Teil wirklich?). Das war für mich kein Kaufkriterium, aber wenn es schon mal dabei ist, sag ich auch ein paar Worte dazu. Das Verdeck ist bei beiden Carriern gleich groß. Es gibt am Träger auf jeder Seite drei Druckknöpfe damit man regulieren kann, wie eng das Verdeck sitzt. Zusätzlich gibt es noch zwei so kleine Gurte, die meiner Ansicht nach dazu dienen den Stoff zusätzlich zu straffen. Das ist sicher hilfreich wenn das Baby eingeschlafen ist und man will den Kopf damit ein wenig stabilisieren. Beim Performance Carrier verschwindet das ganze Verdeck in einer Reißverschlusstasche, beim Original gibt es nur so ein Fach in das man das untere Ende reinstecken kann (bei den Fotos zu Beginn sieht man das gut) oder man lässt das Verdeck halt einfach runterhängen, wie oben rechts zu sehen.

Auch eine kleine, mit Reißverschluss zu schließende Tasche haben beide. Sie ist von der Seite zugänglich und ist ganz praktisch um eine Kleinigkeit wie Taschentücher oder eine Geldtasche zu verstauen, wenn man mit wenig Gepäck unterwegs ist. Bei etwas unförmigerem wie einem Schlüsselbund hätte ich aber bedenken, dass es dem Kind in den Rücken drückt.

Erwähnenswert finde ich auch den Brustgurt, welcher unterschiedlich ausgeführt ist. Seht euch dazu am besten die Fotos an. Bei der Original finde ich die Höhe des Brustgurts echt schwer zu verstellen. Er rutscht gar nicht leicht und verspießt sich, wenn man nicht schön parallel zum Träger bleibt. Der Brustgurt von der Performance-Trage ist viel einfacher umgestellt und verrutscht aber auch nicht unabsichtlich. Für mich erleichtert das das Handling ungemein, wenn ich zB vorher am Rücken getragen habe und dann auf Bauchtrage wechsle. Beim Rückentragen brauche ich den Gurt um einiges tiefer damit er bequem sitzt. Beim Bauchtragen könnte ich ihn aber unmöglich in dieser Position schließen. Was mir auch nicht gefallen hat ist, dass der Träger sehr verzogen wird, wenn man den Brustgurt an der Original zumacht. Da sind die Träger einfach zu weich für dieses Konzept.

Die Entscheidung

Auch wenn mir nach all den Fakten die Entscheidung immer noch nicht leicht gefallen ist, weil ich so verliebt in die Wale war, aber schlussendlich hat die Vernunft entschieden. Für uns und unsere Zwecke siegt die Performance-Trage. Die Träger sind einfach bequemer, das Handling mit dem Brustgurt einfacher. Neben diesen Hauptkriterien finde ich es auch besser, dass man das Verdeck komplett verstauen kann und die atmungsaktiven Materialien sind – wenn auch nicht so hübsch – sicher kein Fehler. Und zu guter letzt war die Performance auch günstiger (immerhin 17€ in unserem Fall).

Bis jetzt bin ich mit dem Kauf zufrieden. Was mich am meisten stört, ist, dass sie sich nicht so klein einpacken lässt wie die Marsupi – aber damit muss ich wohl leben, wenn ich gepolsterte Träger haben will. Gerne würde ich auch die Ergobaby four positions 360 ausprobieren und vergleichen. Die hat nämlich einen Bauchgurt mit Klettverschluss und mich würde interessieren, ob die Blickrichtung nach vorne was taugt.

Hat jemand eigene Erfahrungen mit den Ergobaby-Tragen? Oder habt ihr eine andere „Traumtrage“ gefunden?

PS: Ich werde für meine Meinung nicht bezahlt. Alles auf meinem eigenen Mist gewachsen und mit meinem eigenem Geld bezahlt.

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