Ein Jahr Wohnwagen (oder: Warum man mit dc-fix keine Wände tapeziert)

Es ist schon über ein Jahr her, dass wir Wohnwagenbesitzer wurden. Eigentlich wollte ich ja ganz viele Posts darüber schreiben, was wir so verändert haben, aber zwischenzeitlich gab es da so einige Pleiten, Pech und Pannen, die es gar nicht so einfach machen, den Prozess in ein klares „Vorher“ und „Nachher“ zu teilen. Vor allem weil der Status quo noch vielmehr ein „Zwischendurch“ als ein „Nachher“ ist. Daher kommt jetzt alles in einem großen Beitrag, damit ihr auch auf dem Laufenden seid und aus unserer Geschichte lernen könnt.


Diese Einleitung hört sich jetzt irgendwie dramatischer an als beabsichtigt. Es gab einige unerwartete Punkte auf der To-Do-Liste, aber ganz so schlimm wars auch nicht. Also erstmal von vorne und dann die wichtigsten Meilensteine chronologisch.

Winterschlaf

Anfang Oktober des letzten Jahres sind wir Besitzer unseres fahrbaren Zweitwohnsitzes geworden. Außer vielen Gedanken zur Umgestaltung des Inneren ist in diesem Jahr nicht mehr passiert. Wir haben eine Abdeckung für den Wohnwagen gekauft und ihn erstmal eingewintert. Die kalte Jahreszeit habe ich dazu genutzt die Sitzpolster neu zu beziehen und neue Vorhänge zu nähen.

Sobald die ersten Sonnenstrahlen wieder rausgekommen sind, wollten wir voll durchstarten und gleich mal das Pickerl erneuern und die Gasprüfung machen. Damit mussten wir dann aber noch bis April warten, weil der Wohnwagenhändler erst da die ersten Termine vergibt.

Neue Patscherl und erstmals Gasprüfung

Vor dem Pickerl machen ging’s zum Reifenhändler, der unserem Baby neue Gummis montierte. Die alten waren zwar was den Zustand anging noch tauglich, aber schon ziemlich alt. Neue Reifen in dieser Dimension sind nicht so teuer, also haben wir’s da ganz nach einem geliebten Sprichwort meines Mannes gehalten: „Better save, than sorry“. Reifenplatzer auf der Autobahn? – Kann ich wirklich drauf verzichten!

Anschließend ging’s dann zum Pickerlmachen. Nur ein leichter Mangel am Begrenzungslicht vorne, da die Abdeckung einen Sprung hat und mit einem Klebeband etwas dürftig gesichert ist. Aber kein Problem. Der Profi empfahl uns beim Blick auf den Unterboden noch diesen zu Versiegeln. Das Holz war sehr trocken und dadurch bildeten sich Risse. Durch die Spannungen löste sich die unterste Schicht der Sperrholzplatte bereits an manchen Stellen ab. Auch kein Problem, meinte der Fachmann, wenn wir die losen Teile wieder anleimen und dann abdichten. Und dann war da noch die Gasprüfung.

Der liebe Gas-Regler vom Kühlschrank ließ sich nicht vollständig abdrehen, deswegen musste die Gaszuleitung zum selbigen gekappt werden, damit wir die Prüfung positiv abschließen konnten. Die schlechteste Nachricht dabei – und die sollten wir dieses Jahr noch öfter hören – war: „Also für so ein altes Gerät kriegen wir kein Ersatzteil mehr!“ Na toll. Immerhin läuft der Kühlschrank ja auch auf Strom, weswegen er trotzdem noch nutzbar ist…

Start der dekorativen Arbeiten

Die Wartezeit bis zu diesen Terminen kam uns als riesiger Zeitverlust vor, da wir noch mit keinen großen Arbeiten beginnen wollten, bevor wir nicht die Gasprüfung in der Tasche hatten. Im Endeffekt haben wir aber gar nicht so viel Zeit verloren, da die Temperaturen draußen eh noch nicht zum Streichen eingeladen haben. Schließlich ging’s aber dann doch mit den substantiellen Verschönerungen los. Mit jeder Menge Zeitungspapier, Folie und Abdeckband habe ich abgeklebt damit Giedrius die Decke streichen konnte.

Seine Begeisterung hielt sich in Grenzen und ich hätte gerne selber den Pinsel bzw. die Rolle geschwungen, aber da ich zu dieser Zeit ja schwanger war, habe ich mich vorsichtshalber aus der Sache rausgehalten. Die Fake-Holzvertäfelung ist schön weiß geworden und hat unser kleines Gefährt gleich mal moderner und optisch ein paar Zentimeter größer gemacht.

Auch die Dichtungsbänder haben wir gleich mal in Angriff genommen. Diese waren in fast allen Ecken aus der eigentlichen Dichtung „gesprungen“, da sie sich verkürzt hatten. Wohl auch ein Altersmangel, der aber relativ einfach zu beheben ist. Man muss alle Beschläge wegmontieren und die neuen Bänder einsetzen, die man kostengünstig nachkaufen kann. Falls jemand solche Dinger sucht, die richtigen Suchbegriffe dafür sind „Hart-PVC-Band für Ausstellfenster“ bzw. auf englisch „head band“, hab ich mir sagen lassen.

Das Einbauen war eine eher langweilige Fummelei. Ich empfehle mehrere alte Kreditkarten oder ähnliches zur Hand zu haben und am besten zu zweit zu arbeiten. Mit jedem Fenster wird man dann besser und schneller in der Einbautechnik.

Was dann folgte war das Demontieren der Rollos und Regale und das Entfernen jeder Menge Staub und Schmutz. Je mehr ich geputzt habe, desto mehr habe ich gefunden… pfuigack. Dabei hat der Wohnwagen gar nicht wirklich schmutzig ausgesehen. Ich möchte nicht wissen, wie viel Kilo Grind man entfernen muss, wenn der Wohnwagen wirklich ungepflegt aussieht…

Lernt aus meinen Fehlern!

Diese Überschrift verrät euch schon, dass der nächste Arbeitsschritt ein Schuss in den Ofen war. Ich wollte die Wände gerne schön weiß haben, ohne sie streichen zu müssen (wie gesagt, war ich ja schwanger). Deswegen kam mir die – wie sich später herausstellte nicht ganz so – geniale Idee, weiße Klebefolie zu benutzen. In dieser sah ich auch noch weitere Vorteile. Sie deckte nämlich auch Löcher in den Wänden schön ab, ich konnte nach jeder Bahn aufhören zu arbeiten, wenn zB das Mittagsschläfen vom Sohnemann beendet war, und die Folie ist auch geruchslos. Ich war begeistert von der Veränderung die das Weiß an den Wänden mit sich brachte.

Ich habe natürlich nicht einfach blauäugig irgendwas an die Wand geklebt. Ich habe im Internet recherchiert, ob sich Klebefolie zum Tapezieren von Wohnwägeninnenwänden eignet, wurde aber nicht recht fündig. Sicherheitshalber habe ich die Markenfolie von dc-fix gekauft, mit der ich schon bei anderen Projekten sehr gute Erfahrungen gemacht habe. Ich hab’s riskiert und weiß jetzt: Nicht empfehlenswert! Bitte nicht nachmachen! Die Freude hat nur sehr kurz gewährt… denn schon nach kurzer Zeit begann sich die Folie abzulösen und am Ende der Saison war sie auch bereits um mehrere Millimeter geschrumpft, obwohl ich beim Aufkleben darauf geachtet habe, die Folie nicht unnötig zu ziehen oder anderweitig unter Spannung zu setzen.

Es sieht einfach nur traurig aus. Mein Herz blutet, wenn ich daran denke, dass ich diese ganzen Stunden der liebevollen Arbeit nächsten Frühling wieder abreißen werde, um dann doch Pinsel und Farbe zur Hand zu nehmen. Vor allem die Rollos abzumontieren freut mich jetzt schon nicht…

Apropos Rollo

Eine Verschönerungsmaßnahme die weniger Zeit in Anspruch genommen hat und definitiv mehr Sinn hatte war die Plastikteile mit Primer und Farbe zu sprayen. Ich weiß nicht, ob die Dinger von Anfang an eher gelblich waren oder erst mit der Zeit so wurden, aber jedenfalls sehen sie sehr viel schicker aus, wenn sie auf einer weißen Wand wirklich weiß sind.

Das Vorzelt

Mit unserem Wohnwagen kam ein ganzer Schwung Zubehör, den wir nach und nach gesichtet und aussortiert haben. Als es im Mai endlich mal so gefallen ist, dass die Wiese trocken war und wir Zeit hatten, haben wir das Vorzelt aufgebaut. Eine knifflige Angelegenheit, wenn man das noch nie gemacht hat und keine Anleitung hat. Überraschenderweise hat sich herausgestellt, dass wir nicht nur ein Vorzelt haben, sondern auch noch ein leicht defektes Sonnensegel und Markisen für die Fenster. Zum Schluss sind uns immer noch jede Menge Stangen übrig geblieben, bei denen wir bis jetzt noch nicht wissen, wozu sie gut sind.

Bei diesem Test ist dann auch noch gleich so eine Öse kaputt geworden, bei der man das Gestänge einhängt. Wieder ein kleines, unerwartetes und unerwünschtes To-Do auf unserer Liste. Aber besser sowas passiert zuhause im Garten als unterwegs im Urlaub. Im Einsatz hatten wir das Vorzelt bis jetzt noch nicht, da wir dieses Jahr nur zu Kurztrips an den Attersee und nach Radstadt geschafft haben, wo wir das Aufbauen mit einem Zweijährigen, der in den entscheidenden Phasen gerne türmt, als Overkill empfunden hätten.

Lernen aus Erfahrung

Aus unseren ersten Ausfahrten konnten wir auch praktische Erfahrungswerte sammeln: Was man am besten wohin räumt. Warum wir noch ein Insektennetz oder einen Fliegenvorhang an der Tür brauchen. Das wir mehr Geschirr mithaben als notwendig. Etc. Was uns am meisten gestört hat, war das keine Ablagefläche zur Verfügung steht, wenn man den Herd und die Spüle in Verwendung hat. Theoretisch, dachten wir, dass die zwei Tische als erweiterte Abstell- und Arbeitsfläche dienen werden, aber da haben wir den Kleinkindfaktor nicht eingerechnet. Vor allem am Abend, wenn alles schon im Bettmodus ist, brauchen wir irgendwo ein Eckchen.

Nun kam endlich das lange zuhause gehortete Plexiglasregal zum Einsatz, gepaart mit drei Türhaken, die ich mal im 99-Cent-Shop gekauft habe. Das Behelfsregal lässt sich links oder rechts an der Küchenzeile aufstecken, wenn es gebraucht wird. Stilistisch ist es recht neutral und hat praktischerweise schon abgerundete Ecken. Ob es sich im Einsatz ebenso bewährt, wie die Regalböden, die wir in den Kleiderschrank montiert haben, erfahren wir dann nächste Saison. Gleiches gilt für die Deckenlampe. Papa, der alte Strippenzieher, hat uns den Schalter repariert und ich habe ein neues Leuchtmittel besorgt. Im Internet, weil lokal konnte mir nicht mal der Wohnwagenhändler weiterhelfen. Anscheinend was exotisches. Dafür war der Umbau auf den neuen Lampenschirm, den ich in der IKEA-Fundgrube ergattert habe, ein Kinderspiel.

Diese zwei Bilder sind jetzt kein besonders würdiger Vergleich, weil ich noch immer keine echten Nachher-Fotos gemacht habe. Aber dieser Handy-Schnappschuss des Status quo lässt die Richtung erahnen in die die gestalterische Reise geht. Ich bin schonmal recht zufrieden, auch wenn noch lang nicht alle Ideen umgesetzt sind. Mittlerweile sind Griffe bei IKEA neu im Sortiment, die mir sehr gut gefallen würden und von Lochabstand und Preis auch gut für die Oberschränke passen. Im Winter hab ich mir vorgenommen, noch zwei blaue Vorhänge zu nähen, da die Original-Konstellation, wie auf den Fotos oben zu sehen, sich kurioserweise nicht vollständig schließen lässt. Ich war gar nicht auf die Idee gekommen, dass ich das überprüfe, bevor ich die neuen Vorhänge nach der Vorlage der alten genäht habe…!? Glücklicherweise hab ich noch genug Stoff da.

Vom Winde verweht

Kurz bevor der Wohnwagen in den Winterschlaf gegangen ist, gab es noch schlechte Nachrichten. Ein starker Sturm hatte ein Brett (oder auch mehrere) vom Gartenhausdach des Nachbarn geweht – leider auf unseren Wohnwagen drauf. Fenster kaputt, mehrere Dellen, verbogene Kederleiste. Infolgedessen auch langwierige Gespräche mit dem Nachbar und der Versicherung, ein Besuch von einem Gutachter und mehrere Wochen der Ungewissheit, was die Entschädigung anbelangt.

Besondere Bauchschmerzen bereitete mir bzw. uns die Nachbestellung eines neuen Fensters. Ich habe zuerst beim Wohnwagenhändler „in der Nähe“ angerufen, der die Caravelair-Vertretung hat und der meinte sofort: „Für ein 92er-Baujahr gibt’s sicher nichts mehr.“ Großartig, dachte ich mir. Dann hat er mir noch minutenlang eingeredet, wie wertlos so ein alter Wohnwagen eigentlich ist und schließlich war ich beinahe am Boden zerstört. Weil ich das aber schlecht aushalte, habe ich sofort beim nächstbesten anderen Händler mit Caravelair-Vertretung angerufen und die nette Dame dort hat dann direkt in Frankreich angefragt und mir Bescheid gegeben, dass das Fenster dort lagernd ist. Halleluja! Es kostet zwar satte 580€, aber das zahlt glücklicherweise die Versicherung, wie wir nun kurz vor Weihnachten noch erfahren haben. Mit den Dellen müssen wir leben, aber da kann man halt nichts machen. Vielleicht sollten wir uns auch glücklich schätzen, dass es nur ein optischer Schaden ist.

Winterschlaf und Frühlingserwachen

Wie schon erwähnt, ist der Wohnwagen jetzt wieder weitgehend ausgeräumt und zugedeckt. Wenn es wieder wärmer wird geht’s weiter mit den Verbesserungen und hoffentlich wird’s nächsten Sommer dann auch was mit einem längeren Urlaub.

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