Die erste Ausfahrt: Am Attersee

Wir sind zurück von unserer ersten kleinen Campingreise. Bevor es nächste Woche nach Litauen geht und im Juni so allerhand andere Termine die Möglichkeiten einschränken haben wir letzte Woche noch alle wichtigen offenen Baustellen am Wohnwagen abgeschlossen, damit wir uns auf eine Testfahrt begeben können. Unser Ziel war der Attersee, welcher ungefähr eine Stunde von hier entfernt liegt. Da wir ja nur zwei Nächte bleiben konnten, der Wetterbericht nicht so überzeugend war und wir uns im Fall von Pleiten, Pech und Pannen die Möglichkeit offenhalten wollten, schnell zuhause zu sein, war das eine sehr geeignete Wahl. Wir sind bei strahlendem Sonnenschein aufgebrochen, nachdem wir den ganzen Vormittag noch damit zugebracht hatten, die letzten Ausrüstungsgegenstände zusammenzuraffen. Auf halber Strecke ist uns dann eingefallen, dass wir weder den Buggy, noch die Rückentrage eingepackt hatten. Naja, man kann ja nicht an alles denken…

Das Einparken am Campingplatz lief ganz gut. Unser fahrbares Zuhause ist ja recht klein und leicht, was die mangelnden Kenntnisse beim Rangieren mit Gespann wieder wett macht (soll hießen: Man kann ihn auch gut dort hinschieben, wo man ihn haben will). Als wir dann dort standen fiel mir auf: Wir sind gar nicht am richtigen Campingplatz! Eigentlich hatte ich einen anderen rausgesucht, aber dann beim Einfahren gar nicht genau geschaut, wie der Platz heißt, da ich nicht damit gerechnet hatte, dass es in diesem Miniörtchen gleich zwei gibt. Aber unverhofft, kommt ja bekanntlich oft und wir sind geblieben.

Von unserem Platz hatten wir einen richtig tollen Ausblick auf den See (nämlich den vom Titelfoto dieses Beitrags). Überhaupt waren wir nur ca. 15 Schritte vom Strand entfernt – was natürlich bei der Beobachtung des Sohnemanns extra Aufmerksamkeit erforderte. Er fand natürlich alles interessanter, als beim Wohnwagen zu bleiben. Und er wollte unbedingt ins Wasser reinsteigen. Diese Begeisterung ist einigermaßen schnell abgeflaut, als er denn dann auf der untersten Stufe zur Wasseroberfläche stand und die erste Welle über seine Füße geschwappt ist und ihm die Crocs mit Wasser angefüllt hat. Da hatte die Mama vielleicht doch recht, dass das Wasser eiskalt ist…

An einen Mittagsschlaf, den wir eigentlich alle begrüßt hätten, war nicht zu denken. Nachdem Sohnemanns Kopf den Bettbezug berührt hat, hat er uns versichert er wäre jetzt ausgeschlafen. Daher flanierten wir noch ein wenig im Örtchen Steinbach, auf der Suche nach einem Supermarkt. Diese Suche führte uns jedoch mit dem Auto wieder zurück nach Weyregg, da Freitagnachmittag der ADEG im Ort nicht geöffnet hat.

Am Abend schlug das Wetter dann schnell um. Es wurde sehr windig und stürmisch. Glücklicherweise hatten wir keine Lust ein Vorzelt aufzubauen, daher mussten wir uns keine Sorgen darum machen ein selbiges gegen den Wind zu sichern. Wir saßen indes gemütlich in unseren vier dünnen Wänden, die vom Wind durchgewackelt wurden.

Unwetter in Anmarsch
Unwetter in Anmarsch

Meine Träume, von einem lauen Abend, den ich gemütlich vor dem Wohnwagen sitzend mit Blick auf den See verbringe, sobald der Sohnemann schläft, haben sich also nicht erfüllt. Der kleine Mann ist jedoch zumindest schnell eingeschlafen, nachdem er den Mittagsschlaf ja ausgelassen hatte. Da er sonst alleine in seinem abgedunkelten Zimmer im Gitterbett einschläft war das ein beruhigendes Erlebnis. Er wollte ja nichtmal wie er krank war bei mir im großen Bett schlafen… Die Nacht selbst war nicht ganz so toll. Es gab ungefähr zehn Konversationen der Art

Sohn: „Mama, wo bist du?“
Mama: „I bin eh do, leg di wieder her!“

Dementsprechend unausgeschlafen waren wir dann am Samstag, der auch wettertechnisch nicht mehr so optimal war, wie der Freitag. Aber zumindest blieb es trocken. Der Sohnemann war in der ersten Tageshälfte total ablebig, sodass ich schon dachte er wird krank. In der zweiten Tageshälfte war er dann grantig auf einem bisher ungekannten Level. Dazwischen lag unsere Miniwanderung zum Nixenfall, die uns aber allen sehr gut gefallen hat.

Ausflugstipp: Nixenfall

Der Sage nach lebt eine Nixe bei diesem herrlichen kleinen Wasserfall, daher der Name. Zu finden ist er in Steinbach am Attersee im Ortsteil Weißenbach. Eine genaue Beschreibung findest du hier auf der Seite des Tourismusverbandes. Hinzufügen möchte ich die Erklärung, wo die dort genannte Fachbergbrücke ist: Wenn du durch Weißenbach fährst (B152), dann biegst du innerorts Richtung Bad Ischl usw. auf die B153 ab. Das ist leicht zu finden, weil es die einzige (große) Abbiegung in diesem Nest ist. Nach 500 Metern kommt dann auf der rechten Seite eine Brücke – das ist die Fachbergbrücke. Wenn man drüberfährt ist man auch schon am Parkplatz und von dort aus muss man nur den Wanderschildern zum Nixenfall folgen.

Der Wanderweg ist wirklich leicht zu gehen. Es ist viel eher ein Spazierweg. Die breiten Schotterwege sind alle gut präperiert und fest, also auch für Kinderwagen und Buggy geeignet (den wir ja leider nicht mithatten). Einzig das letzte kleine Stück zum Wasserfall hin ist nicht befahrbar. Da geht es noch kurz auf schmalem Wege steiler hinauf über höhere Stufen und kleine Brücken. Diese paar letzten Meter kann man sein Kind locker tragen, aber wer sein treues/teures Gefährt ungern allein am Weg stehen lässt, der könnte sich ein Fahrradschloss oder ähnliches mitbringen. Bäume zum Befestigen sind genügend vorhanden.

Der Wasserfall ist etwa 50 m hoch und persönlich fand ich ihn imposant, weil er optisch sehr ansprechend ist. Er wirkt definitiv märchenhaft und die Story mit der Nixe kann man sich schon gut dazu vorstellen. Es gibt übrigens direkt beim Wasserfall einen Picknicktisch. Wer also vor dem Rückweg noch eine Stärkung braucht, kann seine Jause mit besten Ausblick verzehren. Wenn man genug Hochprozentiges mithat (nur bei Wanderung ohne Kinder!), dann entdeckt man die Nixe vielleicht auch wirklich.

Steinchen schmeißen ist voll cool!

Zurück zum Campen. Der Sohnemann ist an diesem Abend mehr oder weniger ins Bett gefallen, weil er so kaputt war, was dem Mann und mir zumindest ein paar Minuten in Decken gehülltes gemeinsames Zusammensitzen mit Seeblick bescherte. Dann gab’s ein wenig Unruhe seitens des Sohnemanns, der aber dann durchschlafen konnte bis um acht in der Früh, wo er sich aufgesetzt hat und vorwurfsvoll meinte: „Mama, Flaschi mochn!“. Das „Guten Morgen“-Sagen üben wir noch. Wir waren trotzdem guter Laune ob des ausgiebigen Schlafs.

Schon am Vormittag haben wir die Heimreise angetreten, da der Wetterbericht wieder suboptimal ausfiel. Gerade rechtzeitig zum Nieselregen sind wir abgefahren. Den ersten Ausflug betrachten wir durchaus als geglückt. Wir haben uns im Wohnwagen sehr wohlgefühlt und haben auch noch das ein oder andere kleine Verbesserungspotenzial entdeckt, was die Ausstattung angeht. Ein ausführlicher Bericht, was wir im Inneren des Wohnwagens in den letzten Wochen so angestellt haben folgt jetzt bald. Meilenstein 1 ist noch nicht ganz erreicht, aber bereits in greifbarer Nähe. Hoffentlich geht sich im Juni auch nochmal ein kleiner Urlaub aus, bevor ich zu dick schwanger werde, um mich im Wohnwagen bewegen zu können.

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