Babyspielzeug, Buchstaben und Bahö

Ich bin schon am überlegen, was ich in den anstehenden Sechsmonatspost von Emma schreiben werde, aber vorerst möchte ich noch ein Update zu Mattias verfassen. Er ist jetzt 2,75 Jahre alt. Das schreibe ich deswegen so genau auf, weil 2,0 Jahre und 2,75 Jahre einen riesigen Unterschied machen. Global gesehen ist ein Zweijähriger ein Zweijähriger, aber mit den Augen einer Mutter betrachtet, tut sich in der Zeit zwischen zweitem und drittem Geburtstag viel. Bei Babys sind die Entwicklungsschritte auch von Außenstehenden gut nachzuvollziehen, aber ein Kleinkind muss man schon ein wenig kennen, um die Nuancen herauszufiltern. Es tut sich soviel, aber vieles ist weniger offensichtlich.

Verstehen

In meinem Post zu den sprachlichen Feinheiten, habe ich ja schon eine Ode an die Lustigkeit der Sprachentwicklung verfasst. Interessant ist sie, nicht nur weil die kleinen Hoppalas so unterhaltsam sind, sondern weil man den Charakter seines Kindes besser verstehen lernt. Die Kids können in diesem Alter ihre Gedanken und ihren Willen mit Worten ausdrücken und der Umwelt verständlich machen. Mattias kann immer komplexere Sätze sagen. Die Wahl der Artikel lässt mich zwar manchmal wirklich erschaudern (keine Ahnung warum er öfter „der Mama“ und so Sachen sagt), aber mittlerweile berichtet er mir auch schon ab und zu was aus der Krabbelstube und greift öfter Themen aus der Vergangenheit wieder auf, ohne das es dazu konkrete Anreize gibt.

Er scheint vor allem gewisse Orte bzw. Tätigkeiten mit bestimmten Personen zu verbinden. Wenn ihm das Zugfahren einfällt, dann stellt er immer klar, das Onkel Markus in Graz wohnt, Michi in Wien, Magda in Berlin und das Tėtis (=Papa) bei Močiutė (=Oma) in Litauen war. Letzteres erwähnt er, weil wir den Papa damals vom Bahnhof abgeholt haben, als er zurückgekommen ist. Alle anderen Personen sind wirklich mit dem Zug abgereist, nachdem sie uns besucht hatten.

Kirche mit neuartigem Glockenturm.

In Mattias‘ Welt stellt sich der Begriff „Kirche“ übrigens so dar: Wir fahren mit dem Auto, dann müssen wir den Kinderwagen die Stufen runtertragen, in der Kirche singen wir (das Sternenlied) – und ganz wesentlich dabei ist, dass Johannes, einer unserer Freunde, dabei ist. Ohne den geht’s nicht. (Der Pfarrer ist für den Kirchenbesuch nicht entscheidend.) Dann „dauerts noch a bissi“ und dann fahren wir wieder heim.

Spielen

Auch das Spiel verändert sich natürlich. Zum zweiten Geburtstag haben wir vor allem viele Puzzles gebaut, Duplo und Schüttspiele gespielt. Die sind momentan wenig oder nur punktuell interessant. Er fokussiert sich aber trotzdem weiterhin auf die Entwicklung seiner kognitiven Fähigkeiten. Das Alphabet in Großbuchstaben bereitet ihm – vielleicht mit Ausnahme des „Q“s, weil es so selten vorkommt – keine Schwierigkeiten mehr und seit seinem letzten Besuch im Revitalshop mit Oma und Opa, nennt er ein Mini-LÜK sein Eigen, das seinem Interesse an Zahlen zu einem neuen Hoch verholfen hat.

Seitdem wir für Emma das Babyspielzeug wieder rausgeräumt haben, ist dieses auch wieder total interessant. Besonders natürlich genau die Rassel, die die Schwester gerade inspiziert. Das gibt einen kleinen Vorgeschmack auf die noch vor uns liegenden Geschwisterstreitigkeiten. Drei Spielzeuge hat er zu einem Trio erkoren. Bei zweien verstehe ich, warum er sie zusammensortiert, aber das dritte ist in meinen Augen einfach ganz anders.

Schweinchen und Buchstaben kombiniert – so gefällt’s Mattias!

Der (litauische) Weihnachtsmann hat uns ein Set von Peppa Wutz-Quietschfiguren beschert. Sie kamen in einem Geschenke-Konglomerat, deswegen weiß ich es nicht genau, aber ich glaube sie waren eigentlich für Emma bestimmt. Mattias liebt die Dinger und spielt gerne einfache Rollenspiele damit. Daraufhin habe ich ihm mal eine Folge dieser Kinderserie auf Youtube gezeigt. Jetzt liebt er sie noch mehr. Mittlerweile will er jeden Tag „Schweinchen anschauen“ und meistens darf er dann eine Folge sehen, weil sie glücklicherweise nur fünf Minuten dauern (Ich finde Zweijährige sollen sich besser mit echtem Spielen die Zeit vertreiben als vor der Glotze). Der Burner ist und bleibt aber Folge 1, in der Papa Wutz einen Nagel in die Wand schlägt und dann wird die ganze Wand kaputt. Was für ein Lacher, wenn man Zwei ist!

Jubel, Trubel, Heiterkeit – und alle gegenteiligen Facetten

Die eklatanteste Veränderung in diesem Lebensjahr ist der Beginn der Trotzphase. Herrschaftszeiten, die kostet wirklich Nerven. Man muss sie als Elternteil erlebt haben, um den Kampf zu verstehen. Ich hab den Begriff „Trotzphase“, der heutzutage ja eigentlich „Autonomiephase“ heißt, nie so wörtlich genommen. Dabei ist sie wortwörtlich zu verstehen. Da geht nichts mehr mit argumentieren. Das Kind tobt, das Essen fliegt durch die Luft und du fragst dich in diesem Moment, was du als Elternteil eigentlich verbrochen hast, dass dein Kind so außer Rand und Band ist.

Du wirst in diesem Moment auch an alle Situationen denken, in denen du ein anderes Kind im Trotzalter beobachtet hast, wie es seinen lieben Eltern das (soziale) Leben schwer macht und denken: „Ach ja…“. Aber da muss man dann durch. Schade ums Essen und um die Nerven, aber es ist für die Kindesentwicklung ja wichtig, dass die Autonomieschlacht ausgetragen wird. An diesen Strohhalm muss man sich klammern, wenn einem der unbändige Wunsch überkommt jetzt sofort aus der Realität auszusteigen und an einem menschenleeren Strand einen großen Cocktail zu schlürfen. Es hilft auch, dass man an die Situation des Trotzkopfs denkt. Immerhin behalten trotz allen Bemühungen, die Eltern ja trotzdem die Oberhand. Mattias hat das teilweise bis in den Schlaf verfolgt, wo er dann auf einmal gerufen hat: „Nein, nein, NEIN, ned! Nicht!“. Der Arme!

Manchmal besser Klappe halten

Das Wissen, dass man manche Fakten besser für sich behalten sollte, erreicht mit Kleinkindern auch eine neue Stufe. Erwähne die Schokolade und den Kuchen nicht (auch nicht anderen als deinem Kind gegenüber), wenn du später nicht eine ewige Diskussion führen willst, warum ebendiese jetzt nicht haben kann. Das lernt man schnell. Schwieriger ist es bei irgendwelchen Themen über „Gott und die Welt“, die zu emotionalen Tiefpunkten führen. Wie letztens, als Mattias und ich über Baden und Duschen gesprochen haben und es zu einem ernsthaften Tränenausbruch kam, ob der Tatsache, dass wir keine Badewanne besitzen. Wer rechnet denn damit? Oder wie kannst du vorhersehen, dass dir dein Nachkömmling mit emotionalem Schnellkochtopf (Sekunden!) gleich die ganze Tasse Kakao über den Fußboden schüttet weil du unbedachterweise schon umgerührt hast, bevor du sie ihm hingestellt hast? Schön wenn’s dann mal vorbei ist!

Das Topferl

Das Topferlgehen ist auch so was, das bei den meisten zwischen dem zweiten und dritten Geburtstag mal ein heißes Thema wird. Wir haben im Sommer die Gelegenheit ergriffen und versucht Mattias den Topf nahezulegen. Mit ausbleibendem Erfolg. Er wollte sich nie länger als zehn Sekunden auf den Kinder-Abort setzen und er hatte einfach noch nicht verstanden, dass er die Kontrolle über seine Ausscheidungen hat bzw. haben könnte. Es war also eher mühselig. Klar, dass es nicht funktionieren wird, wenn das Kind noch nicht bereit ist, aber wie weiß man, dass es bereit ist, wenn man es nicht ausprobiert!?

Viele erfolgreich abgeschlossene Geschäfte.

Auch im Herbst haben wir’s einige Male versucht, aber der Durchbruch kam erst kürzlich. Das Können und das Wollen haben sich zum Erfolg gepaart und ich muss tagsüber nur mehr ein Kind wickeln. Meistens. Wir sind stolz auf Mattias und er ist stolz auf sich. Immerhin hat er jetzt schon ungefähr eine Million Sticker für erledigte Geschäfte auf seinem Topferl-Poster. Und unser Sparschwein freut sich auch über die letzten Entwicklungen.

Weil Skifahren ist des leiwaundste…

Beim Versuch Mattias zu körperlicher Betätigung zu ermuntern, die über das reine Herumlaufen hinausgeht, haben wir uns bisher die Zähne ausgebissen. Bobbycar, Laufrad,… Fehlanzeige! Oder besser gesagt: Fehlkauf. Wir hoffen stark auf eine Benutzung durch Emma. Wozu er allerdings Lust hat ist Skifahren! Er kannte es eigentlich nur aus dem Fernsehen, deswegen habe ich die Begeisterung sicherheitshalber nicht so ernst genommen. Vergangenes Wochenende waren wir nun aber endlich wirklich auf der Piste und ja, es gefällt ihm tatsächlich!

Wir, auf dem gefährlichen Lift.

Bis auf den Part mit dem Stehenbleiben und Liftfahren. Wenn wir runterfahren ist er Feuer und Flamme, aber sobald wir zum Stehen kommen bricht er in Panik aus, dass er wegrutschen oder umfallen könnte. Dabei ist das noch nicht einmal passiert (dann wäre die Angst ja nachvollziehbar). Selbige Panik gilt auch für den Zauberteppich. Er will beim Liftfahren mit beiden Händen fest gehalten werden. Wenn ich mir erlaubt habe, mir kurz mit einer Hand meine Haube wieder zurechtzurücken, kamen sofort schlimmste Vorwürfe, dass ich jetzt nicht in der Nase zu bohren hätte (!?) mit den nachdrücklichsten Warnungen, dass ich dadurch eine Schweinchennase bekommen würde. Das diese Argumentationskette nicht funktioniert müsste er schon von seinem eigenen Beispiel wissen…!

Diese kleinen Schwierigkeiten werden wir mit Erfahrung und Übung schon ausmerzen. Ich hoffe, dass ich es schaffe bevor die gebückte Haltung chronisch wird. Mein Skifahrerherz schlägt jedenfalls höher, dadurch, dass meine Tagträume von familiären Skiurlauben ein Stück realer werden.

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