All night long

Als Einstimmung zum Schreiben dieses Artikels hab ich mir eben nochmal meinen ersten Post zum Thema Schlafen durchgelesen und war schockiert. Vor gut einem Monat habe ich darüber geschrieben, dass ich es mir nicht vorstellen kann, wie Babys selbst einschlafen können, ohne Busen. Das kommt mir vor als ob es ewig her wäre. Jetzt kann ich mir nicht mehr vorstellen, wie er nicht selbst einschlafen könnte. Ihr merkt, es hat sich viel getan.

Wie ich letztens schon erzählt habe, haben wir einen strikten Zeitplan eingeführt in dem Schlafens- und Essenszeiten geregelt sind. Am Anfang war das schon hart auch seinen eigenen Tagesablauf dadurch zu beschränken, aber sobald sich alles eingespielt hatte, hat es mir auch neue Freiheiten gegeben, weil ich jetzt besser abschätzen kann wann ich wieviel Zeit habe. Die Stillmahlzeiten haben wir zeitlich auch etwas vom Zubettgehen getrennt, damit ihm klar wird, dass der Busen eigentlich nichts mit dem Einschlafen zu tun hat.

Gleichzeitig haben wir versucht unserem Burschi das Bett überhaupt schmackhaft zu machen. Da er im Wachzustand schon beim Hineinlegen angefangen hat zu schreien (bis hin zur Hysterie) haben wir versucht ihn langsam daran zu gewöhnen. Wir haben uns zuerst also mit ihm ins große Bett gelegt und ihn dann immer näher zu seinem Beistellbett gebracht. Irgendwann ist er dann auch drinnengelegen ohne Aufstand. Wenn er unruhig wurde, haben wir versucht ihn abzulenken mit einem kleinen Stofftier oder dem Schnuller, den er ja nicht zum Nuckeln, sondern nur zum Spielen nimmt. Wir waren die ganze Zeit neben ihm, aber wir haben versucht nur dann mit ihm zu interagieren, wenn es notwendig war. Schlussendlich haben wir dann auch die vierte Seite ans Gitterbett montiert und sind nur noch als Statisten im Schlafzimmer gesessen. Da er durch den strikten Zeitplan wirklich auch immer müde war, wenn wir ihn ins Bett gelegt haben ist er immer schneller und selbstständiger eingeschlafen. Und irgendwann ist dann auch der Zeitpunkt gekommen, an dem wir beschlossen haben, dass er uns zum Einschlafen gar nicht mehr braucht. Wir sind draußen geblieben und haben uns einen Haxen ausgefreut, weil er alleine eingeschlafen ist. Party, Siegestanz, etc, etc. 😉 Das zu Bett bringen ist mittlerweile im wahrsten Sinn des Wortes ein Kinderspiel. Er wird reingelegt, spielt dann oft noch ein paar Minütchen bis er selig einschläft. Dann schalten wir die Musik aus (die haben wir beibehalten) und das wars. Es ist unglaublich!

Naja, es war aber bis dahin nicht nur toll. Manchmal hat er ja trotzdem protestiert und unser Kind kann da wie wir immer wieder feststellen, sehr konsequent sein. Manche Situationen haben uns wirklich hadern lassen – „Sollten wir ihn nicht doch aus dem Bett nehmen?“, „Passt etwas nicht? Fehlt ihm was?“,… Tausend Fragen haben wir uns gestellt. Aber wir haben sicher gelernt sein Verhalten besser zu verstehen und zu interpretieren. Wir mussten uns auch selber auffordern konsequent zu bleiben. Besonders schwer fiel mir das in der Nacht, wenn er alle paar Stunden an den Busen wollte. Ich habe mit der Zeit auch gemerkt, dass das nächtliche Stillen sich veränderte. Er schlief nicht mehr so leicht ein wie früher und wollte sich auch nicht mehr einfach von mir abdocken lassen. Ich hatte das Gefühl, das stillen gäbe ihm auch nicht mehr die ursprüngliche Befriedigung und dass er deswegen noch länger am Busen bleiben wollte und darauf gewartet hätte, dass sich dieses gute Gefühl einstellt. Und grade, wie die Ratlosigkeit sehr groß wurde kam dann der Durchbruch. Der Moment in dem du aufwächst und dir denkst: „Warum fühle ich mich so fit?“, dann auf die Uhr schaust und feststellst, „Yes, durchgeschlafen!“.

Wie ist der Stand der Dinge nun? Babyboy schläft mittlerweile in seinem eigenem Zimmer. Nachdem wir aus Angst ihn beim Hineingehen aufzuwecken nicht mehr im Schlafzimmer geschlafen haben, habe ich – obwohl ich ihn ja nicht alleine schlafen lassen wollte – beschlossen, dass er dann auch in seinem Zimmer schlafen kann. Eltern im Schlafzimmer und Kind im Kinderzimmer, und nicht umgekehrt. Das hat mir auch wiedermal klar gemacht, dass gewisse Entscheidungen Zeit brauchen. Zu Beginn der ganzen Umstellung hätte es mir das Herz gebrochen, ihn „alleine“ zu lassen, aber an jenem Punkt angekommen machte die Entscheidung Sinn und es war einfach sie mit guten Gewissen zu treffen. Es schlafen jetzt alle besser!

Wir schlafen nicht jede Nacht unterbrechungsfrei. Manchmal wird er wach und kann seinen Schlaf nicht alleine wieder finden. Das lässt er das ganze Haus wissen. Und es kann dauern bis er wieder einschläft. Aber ich habe das Gefühl es wird besser, denn er beruhigt sich immer schneller und schläft ohne großes Tamtam wieder ein. Man wird sehen.

Die Schlafberatung hat uns in diesem Lernprozess sicher geholfen. Vor allem, weil man gezwungen ist, die Situationen immer wieder zu reflektieren, um herauszufinden, was funktioniert und was nicht. Ich hab auch ein paar Bücher zum Thema gelesen, wobei ich sagen muss, dass die Inhalte recht ident waren. Kurz gefasst: Das Kind muss lernen alleine in den Schlaf zu finden, ein geregelter Tagesablauf und ein solides Einschlafritual hilft ihm dabei.

Am meisten zugesagt hat mir überraschenderweise „Jedes Kind kann schlafen lernen“ von Annette Kast-Zahn und Dr. med. Hartmut Morgenroth. Man braucht sich nur die Rezensionen auf Amazon anzusehen um festzustellen, wie umstritten dieses Buch ist (es basiert auf der Ferber-Methode). Ich habe es auch kritisch gelesen und war aber positiv überrascht. Es ist überhaupt nicht so radikal wie ich es mir nach so manchen Berichten vorgestellt hatte. Das Kind „einfach schreien zu lassen“, wäre auch wirklich seine sehr unzutreffende Zusammenfassung des Inhalts. Was mir aber zugesagt hat ist, dass es auf viele Fragen eingeht und konkrete Anleitung bietet. Es ist nämlich gut zu wissen, was man als nächstes macht. Im Buch wird aber auch immer wieder darauf hingewiesen, dass man nur machen sollte, wo man sich selber gut dabei fühlt und es bietet auch einige Vorschläge wie man die Methode sanfter anwenden kann. Ich will gar kein großes Plädoyer für genau dieses Buch halten, immerhin haben wir die Methode ja auch nicht so angewendet wie im Buch vorgeschlagen, aber was ich sagen will ist, dass das Prinzip das selbe ist, wie und warum Kinder entspannt ein- und durchschlafen können. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass man anfangs auch gar nicht aus dem Zimmer rausgehen muss um ans Ziel zu kommen. Wenn man ständig daneben ist und das Kind zu schreien beginnt, kann man auch ausschließen, dass es sich um Todesangst wegen Alleinsein handelt.

Ich glaube ich kann auch für meine Männer sprechen, wenn ich sage, dass wir mit der derzeitigen Situation recht zufrieden sind. Sie wird sich auch sicher wieder verändern, damit rechne ich fix. Aber genug der Worte: Nach eineinhalb Stunden meldet sich der Bubsi pünktlich wie eine Stechuhr vom Vormittagsschlaf zurück. Jetzt ist wieder Zeit zu spielen.

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One comment

  1. Eins muss ich unbedingt sagen – ein Plan oder fixes Tagesablauf zu haben hat eine riesige Nachteil – Spontanität kann man vergessen! Früher, wenn wir noch keinen definierten Tagesablauf gehabt haben, konnte ich einfach entscheiden und mit meinen Burm spazieren gehen, wäre das Vormittag, oder Nachmittag. Jetzt in Gegenteil, muss man sehr gut überlegen und die wenigen Zeitfenstern nutzen um was unternehmen zu können. Spatzieren gehen nur nach dem essen und vorm Schlafen, und mit Hinsicht, dass er nicht im Wagerl einschläfen därf, weil dann das ganze Tagesablauf durcheinander ist. Und es zu schaffen bei uns ist nicht ohne – unser Sohn schläft nämlich sehr gerne in das Wagerl… so kürzen wir unsere „Ausflüge“ ab, was ich nicht super finde und in generell gehen wir seltener nach drausen, weil es muss alles zusammenspielen – Tageszeit, Wetter und Elternfreizeit.

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